Mehr Jugendarbeit, weniger Pfarrstellen, alles genehmigt

Die 72 anwesenden Mitglieder der Evangelischen Kirchgemeinde Bischofszell-Hauptwil befürworteten die Reduktion der Pfarrstellen zu Gunsten der Jugendarbeit und stimmten der neuen Organisationsstruktur zu. Der am Wochenende zuvor an der Urne gewählte Kirchgemeindepräsident Marcel Rüegger freut sich, dass die Mitglieder den eingeschlagenen Weg der Kirchenvorsteherschaft klar bestätigten.

Die Traktandenliste der Kirchgemeindeversammlung vom 23. April 2024 in der evangelischen Kirche Hauptwil war länger als auch schon. In seinem Rückblick schaute Rüegger dann auch auf intensive Monate zurück. Zum einen war da der Krankheitsausfall von Pfarrer Erich Wagner, was die Organisation vor Herausforderungen stellte. Schön sei, dass Wagner mittlerweile wieder 50% arbeitsfähig ist. Intensiv gearbeitet wurde auch an der Struktur der Gemeinde, über die Resultate noch am gleichen Abend befunden wird. Ansonsten dürfe man wiederum auf ein Jahr mit vielen gelungenen Anlässen zurückblicken, die dank vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern ermöglicht wurden. In den nächsten Monaten wird man die neue Struktur umsetzen sowie auch eine Gesamtstrategie der Gottesdienste für die Kirchen Bischofszell und Hauptwil, unter Berücksichtigung aller Gemeindeteile ausarbeiten.

Rechnung besser als erwartet

Bei der Rechnung 2023 war ursprünglich ein Minus von CHF 127'791 veranschlagt worden. Lange sah es sogar nach einer schwarzen Null aus, informierte Rüegger an der Versammlung, obwohl man sogar noch eine Hypothek von CHF 100'000 aufgelöst hat. Jedoch drückten dann unerwartet tiefe Steuereinnahmen von juristischen Personen die schwarze Null ins Negative und so schliesst die Rechnung mit einem Minus von CHF 75‘421.52. Die Revisoren bestätigten eine einwandfreie Rechnungsführung, die Kirchenpflege habe rechnungstechnisch gut optimiert. Die Kirchbürgerinnen und Kirchbürger sahen dies auch so und genehmigten die Rechnung ohne Gegenstimme.

Einführung Geschäftsleitungsmodell

Die Kirchenvorsteherschaft hat sich in den letzten zwei Jahren intensiv mit den Stellenprozenten und der Struktur der Kirchgemeinde befasst. Mit der überarbeiteten Gemeindeordnung wird die Geschäftskommission eingeführt, eine Art Geschäftsleitungsmodell. Es werden einige Entscheidungspunkte von der Kirchenvorsteherschaft zur Geschäftskommission verschoben. Dabei handelt es sich um Entscheide des täglichen Geschäfts. Mit der Geschäftskommission sollen Entscheide schneller gefällt werden können und die Kirchenvorsteherschaft mehr Zeit für strategische Aufgaben haben. Auch die Anwesenden sahen die Vorteile dieser neuen Struktur und genehmigten diese einstimmig.

Pfarrstellen werden auf Jugendarbeit und Leitung umgelagert

Pfarrer Paul Wellauer erhöht sein Amt im Kirchenrat per 1. Juni 2024 auf 40%. Nun werden die Pfarrstellen in der Kirchgemeinde von heute 200% um diese 40% reduziert. Von den dadurch freiwerdenden Lohnkosten von rund CHF 60'000.– sollen CHF 10'000.– eingespart werden. Die übrigen rund CHF 50'000. – werden zur Stärkung der Jugendarbeit und zu einem kleineren Teil der Leitung mit Präsidium, Kirchenpflege und Sekretariat eingesetzt. Bereits heute sind einige frühere Aufgaben der Pfarrpersonen bei der Jugendarbeit angesiedelt. Es benötigt heute aber mehr Ressourcen, um Jugendarbeit zu betreiben. Dies, weil Beziehungspflege immer wichtiger wird. Auch habe man als Kirchgemeinde in dieser Grösse aus Sicht der Vorsteherschaft einen Auftrag, einen Beitrag zur Ausbildung von Diakonen beizusteuern, betont Präsident Marcel Rüegger. Aus diesem Grund ist das Ziel, eine Ausbildungsstelle vom Theologisch Diakonischen Seminar Aarau zu schaffen. Der Vorteil einer solchen Ausbildungsstelle ist, dass die Landeskirche die Hälfte der Lohnkosten trägt. Diesen Vorteil – und überhaupt die gemachten Überlegungen der Vorsteherschaft zu Stellenumlagerung – vermag auch die Stimmberechtigten überzeugt haben. Sie genehmigten die Pfarrstellen-Reduktion und Stellenumlagerung fast einstimmig mit 69 Ja-Stimmen zu einer Nein-Stimme und einer Enthaltung.

Budget 2024 und Steuerfuss 2025

Im Budget ist eine Vorstudie für die Sanierung des Kirchendaches der Johanneskirche in Bischofszell vorgesehen. Man möchte sich möglichst gut auf eine spätere Sanierung vorbereiten, erklärt Rüegger. Mit weiteren Ausgaben ist ein Verlust von gut CHF 166'428 budgetiert. Die Stimmberechtigten konnten die Argumente der Vorsteherschaft gut nachvollziehen und genehmigten das Budget 2024 diskussionslos mit nur wenigen Enthaltungen. Ebenfalls wurde der Steuerfuss 2025 wie in den Vorjahren auf 28% festgesetzt.

Verkleinerte Behörde ist gewählt

Bereits im letzten Jahr beschlossen die Stimmberechtigten eine Verkleinerung der Kirchenvorsteherschaft von 11 auf 7 Personen. Die Behörde wurde am Wochenende des 21. April 2024 an der Urne gewählt. Alle bisherigen – die sich für die neue Legislatur ab 1. Juni 2024 wieder zur Verfügung stellten – und die zwei neu Kandidierenden Rebekka Grossmann und Micha Zürcher erreichten das absolute Mehr problemlos.

An der Versammlung wurden dann für weitere vier Jahre die sechs Mitglieder des Wahlbüros und der Rechnungsprüfungskommission gewählt. Die Anwesenden folgten den Vorschlägen der Vorsteherschaft und wählten die Mitglieder in globo. Neu ins Wahlbüro gewählt wurde Daria Scheiwiller, Bischofszell. In der Rechnungsprüfungskommission war ein Sitz neu zu vergeben, welcher mit Regula Frischknecht, Bischofszell besetzt werden konnte.

 
Adrian Rüegger
Kirchgemeindeschreiber

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